Gerade, wenn man an so Orten wie ein Flughafen ist, denkt man doch automatisch besonders oft und gerne (mal mehr und mal weniger) an geliebte Menschen. Man trifft sie alle – alle möglichen Arten: Freunde, Geliebte, Brüder, Schwestern, Mamas, Papas. Manchmal trifft man sogar Tiere – immerhin müssen die ja auch mal was erleben!

Bei meinen letzten Reisen, bei denen ich meistens allein unterwegs war, ist mir nach und nach klarer geworden, wie sehr man sich dann doch jemanden bei sich wünscht. Aber nicht, weil man sich alleine fühlt, sondern weil man einfach gerne jemanden bei sich hätte.

Ich habe allerdings gelernt, dass alleine Reisen auch seine Vorteile hat. Man kann tun und vor allem lassen was man möchte. Ich finde es aufregend und ich bin mir sicher, dass man dadurch besonders wächst und an Stärke gewinnt. Hätte ich mich damals nicht alleine auf die Reise nach Norwegen gemacht, hätte ich heute noch unglaubliche Flugangst und würde nur beim Gedanken ans Fliegen panisch werden und vermutlich weinen wie ein kleines Kind. Klingt sicherlich lustig, war es damals aber absolut gar nicht. Ein Hoch darauf, wie sehr man sich doch innerhalb von einem oder zwei Jahren ändern kann. Als ich dann vorgestern wieder am Flughafen auf dem Rückweg nach Deutschland war, ist mir eins klar geworden: wie gerne hätte ich auch meine Familie um mich rum. Zwischen all den Mamas und Papas, die mit ihren Kindern (und hier meine ich nicht nur die kleinen Kinder, sondern auch die großen erwachsenen Kinder!) unterwegs sind.

Ich will nicht sagen, dass ich das nie hatte, denn ich war auch mit meiner Familie im Urlaub. Nicht oft, denn mein Dad war alleinerziehend und es war definitiv nicht einfach mit zwei kleinen Kindern oft in den Urlaub zu gehen. Schon gleich gar nicht, weil Urlaub auch sehr teuer sein kann. Als mein Dad 50 geworden ist, hat er dann vorgeschlagen, dass wir alle gemeinsam in den Urlaub gehen sollten. Die Idee war schön – das war genau das, was ich mir schon immer gewünscht hatte. Nur eben anders, denn aus drei Personen (Dad, mein Bruder und ich) wurden dann schnell mal acht Personen (Dad, seine Lebensgefährtin, deren Eltern, mein Bruder, mein kleiner Bruder, meine kleine Schwester und ich). Aus dem gewünschten und erhofften Urlaub wurde dann ehrlich gesagt kein recht schönes Erlebnis. Im Anschluss sind wir alle mit keiner guten Laune Daheim angekommen und haben mehrere Wochen nicht mehr miteinander gesprochen. Ich war nicht glücklich mit der Situation und bin es auch heute nicht. Es hätte einfach anders ablaufen sollen. Aber solche Situationen zeigen einem auch einfach, wie schön alles vornerum sein kann, wenn man dann aber hinter die Fassade schaut, scheint alles doch nicht so toll wie gedacht.

Trotz all dem beneide ich Kinder, die mit ihren Eltern auf Reisen gehen und in solchen Momenten denke ich auch viel zu oft an meine Mum. Mittlerweile sind es nun bereits 18 Jahre die sie nicht mehr bei mir ist. 18 Jahre zu viel, wenn ihr mich fragt. 18 Jahre ohne und jedes Jahr wird es ein Jahr mehr. Ein Jahr mehr ohne sie. Ein Jahr mehr ohne diese Person, die einem einst so viel bedeutet hat – und es immer noch tut. Man gewöhnt sich an die Tatsache, aber nie an den Gedanken. Und je mehr man daran festhält, umso schmerzhafter ist es. Denn wenn man dann doch mal den Rat einer Mutter gesucht hatte, wurde die Suche danach nie gestillt. Klar kann man mit einer anderen Person über alles mögliche reden, dennoch ist es nie – und ich meine wirklich nie – das gleiche. Es ist einfach anders. Anders komisch. Und ja, es lebt sich auch ohne, dennoch wäre es schöner, wenn diese Person mit dir das Leben teilen könnte. Wenn sie hier wäre und alles mitbekommen würde. Wenn ich mit ihr über meine schönen und weniger schönen Erlebnisse sprechen könnte. Wenn sie mir Trost geben könnte und sie mir zuhören könnte. Wenn sie mit mir durch den Park spazieren könnte. Wenn sie mit mir zusammen in der Küche stehen und zu abend essen könnte. Wenn sie mit mir meine Leidenschaften teilen könnte und wenn sie mit mir bis zur Atmungslosigkeit lachen könnte. Wenn sie mit mir zum Sport gehen könnte und wenn sie sich mit mir über klitzekleine Kleinigkeiten freuen könnte. Wenn sie mit meinem Bruder und mir einfach unvergessliche Dinge erleben könnte…

Und es wäre viel zu schön, wenn sie jetzt hier wäre und mit mir reisen könnte.

Das Leben meint es nicht oft gut mit uns, aber oft genug zeigt es einem auch, wie schön es sein kann und wie sehr es sich lohnt, sich auch über Kleinigkeiten zu freuen. Wie oft wurde ich gefragt, wieso ich immer so gut gelaunt bin und wie ich nur so fröhlich sein kann. „Das geht doch gar nicht“ hab ich oft gehört. Ja doch, es geht. Ist nicht immer einfach, denn auch ich habe mal weniger schöne Tage. Aber ich lege einfach viel Wert auf kleine Dinge und erfreue mich daran. So etwas lernt man nicht von jetzt auf gleich, ich habe auch lange gebraucht. Aber ich habe es gelernt und ja, ich mag es.

xoxo, L.

1 Comment on LIFE: if she were here…

  1. Danke für diese Worte liebste Lisa. Ist es nicht auch viel zu oft so, dass man das was man hat, nicht schätzt?
    Ich habe zum Glück noch meine Mama.
    Gleichzeitig bin ich super oft genervt oder gereizt ihr gegenüber.
    Mama hast du überhaupt eine Ahnung?
    Mama, du verstehst das eh nicht.
    Lass mich in Ruhe, Mama, das nervt- du nervst.

    Jetzt wo ich deinen Zeilen lese wird mir sehr klar: es ist ein unglaubliches Glück. Sie ist ein Geschenk, ich bin ein Geschenk, du bist ein Geschenk.
    Das hier gilt nicht allein für Mamas, das gilt für alles, was wir haben uns vor allem für unsere Lieben: Merci, dass es euch gibt.

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